Deutsches Buchbindermuseum e.V. im Gutenberg-Museum Mainz
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Prozessionsstab aus dem 18. Jh.


Zunftkanne aus dem Jahr 1655


Historischen Innungslade aus dem Jahr 1752


Einband von Otto Dorfner


Stempel-Sammlung von C. Lehmann aus dem Jahr 1821

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BDBI-Ausstellung 2003

Das Deutsche Buchbindermuseum

Das deutsche Buchbindermuseum im Gutenberg-Museum wurde 1962 von dem eingetragenen Verein Buchbinder-Museum e.V. ins Leben gerufen. Als Museum im Museum hat sich der Verein zur Aufgabe gestellt,

„... alles zu sammeln und zu erfassen, was mit der Buchbinderei zu tun hat und für die Zukunft von Bedeutung sein kann.“

Da diese Aufgabe noch immer aktuell geblieben ist, werden bis heute Werkzeuge und Geräte, Fachbücher und Fachzeitschriften, Fotos, Urkunden, Briefe, Firmenschilder und historisch interessante, gebundene Bücher gesammelt.
Den Grundstock der Sammlung stifteten Buchbinder aus ganz Deutschland. Aus ihren Werkstätten kamen die oft durch viele Generationen vererbten Objekte in dem Moment, als diese Kette durch Umstellungen oder Betriebsaufgaben durchbrochen wurde und die alten Werkzeuge und Gerätschaften nicht mehr gebraucht wurden.
In den über 40 Jahren dieser Sammeltätigkeit, welche schon immer vom Gutenberg-Museum finanziell und organisatorisch unterstützt wurde, haben sich höchst interessante und aufschlussreiche Objekte zur Geschichte des Buchbinderhandwerks zusammen gefunden. Es ist bis jetzt das in Deutschland größte und umfangreichste Museum zur Buchbinderei geworden, das sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen kann.

Die von dem Kurator des Gutenberg-Museums, Dr. Claus Maywald, in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Erwin Hassdenteufel geführte und gestaltete Abteilung gliedert sich in vier Unterbereiche: Nach einer Einführung in die Geschichte der Buchbinderei mit so einmaligen Stücken wie einer historischen Innungslade aus dem Jahre 1752, einer Zunftkanne aus dem Jahre 1655, einem Prozessionsstab des 18. Jahrhunderts, diversen alten Dokumenten und Briefen, Innungssiegeln und alter Fachliteratur folgt die Darstellung einer alten Buchbinderwerkstatt, wie sie in dieser Ausstattung vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert überall in Europa anzutreffen war. Besonders herauszuheben ist dabei die grosse Sammlung an Vergoldewerkzeugen sowie das Musterbuch von Carl Lehmann. Dieser Berliner Hofbuchbinder aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte für seine Buchbinderarbeiten für Johann Wolfgang von Goethe zu einiger Bekanntheit. In der Einbandsammlung sind zudem drei seiner Einbände, darunter der von Goethe besprochene Einband, zu sehen.



Fadenheftmaschine aus dem Jahr 1897

Ein weiterer Abschnitt der Abteilung zeigt die vom Buchbinder neben Papier und Pappe verwendeten Materialien wie Leder, Pergament, Holz für die Buchdeckel, Metall für Schliessen und Beschläge, sowie textile Hilfs- und Bezugsstoffe. Daneben steht eine Auswahl der verschiedenen buchbinderischen Techniken: ein Kapital zu stechen, Bünde an den Deckel zu schnüren oder Heftungsarten.
Der letzte Bereich der Abteilung widmet sich den historischen Bucheinbänden aus dem Zeitraum zwischen 1450 bis zur Gegenwart. Dabei steht der gehobene deutsche Gebrauchseinband im Vordergrund. Durch die Jahrhunderte hindurch sind dem Zeitgeschmack folgend typische Buchverzierungen zu sehen. Besonders hervorzuheben sind dabei ein Lederschnitteinband aus dem 15. Jahrhundert, ein Ott-Heinrich-Einband des 16. Jahrhunderts aus der Palatina sowie Einbände der beiden ehemaligen MDE (Meister der Einbandkunst) Präsidenten Sonnfriede Scholl und Gotthilf Kurz.
Sämtliche Einbände kommen dabei aus dem Besitz des Gutenberg-Museums. Ausgehend von den Inkunabeln und Frühdrucken mit Einbänden des 15. und 16. Jahrhunderts und einer weiteren kleinen Sammlung von Einbänden des 19. Jahrhunderts verfügt das Museums auch zunehmend über Arbeiten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Durch gezielte Ankäufe wird allmählich ein repräsentativer Querschnitt der deutschen Einbandkunst erreicht. Über die Internetseite der Bibliothek (www.gutenberg-bibliothek.de) sind Teile der Einbandsammlung sicht- und recherchierbar.
In die Abteilung sind immer wieder Gerätschaften und Maschinen dazwischen gestellt, die ganz anschaulich auf die Mechanisierung der Buchbinderei ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hinweisen. Ausgehend von einer Schlagpresse des späten vorletzten Jahrunderts, bei der man aus Kostengründen noch viele Teile aus Holz belassen hat, finden sich noch ein Hebel- und ein Radschneider, eine alte Fadenheftmaschine von 1897 und - als Neuerwerbung ab April 2005 - eine der ältesten noch funktionierenden Drahtheftmaschinen der Welt. Sie soll aus den 90iger Jahren des 19. Jahrhunderts stammen. Abgerundet wird dieser Teil durch drei verschiedenartige Prägepressen.



Der Buchbinder Rolf Steffen - Ausstellung 2004

Der Besucher der Buchbinder-Abteilung wird im übrigen mit mehreren vierseitigen deutsch und englischsprachigen Begleitblätter in die Thematik der Buchbinderei eingeführt. Sie sind unter www.buchbinder-museum.de herunterladbar. Darüber hinaus kann er an sogenannten Buch- und Berühr-stationen z.B. verschiedene Lederarten ertasten oder einen Abriss über die europäische Einbandkunde erhalten. Praktische Vorführungen der Handbuch-binderei mit richtigen Handwerkern vervollständigen das Programm. Schwerpunkte dieser Vorführungen sind die Handvergoldung und das Heften der Bücher. Im Rahmen unseres museumspädagogischen Programms sind solche Vorführungen oder Veranstaltungen jederzeit zu buchen. Die Kontaktadresse ist in der Webseite zu erfahren.
Kleinere Sonderausstellungen in den letzten Jahren über einzelne Buchbinder wie Otto Dorfner oder aktuell Rolf Steffen, Sammlungen wie aus der Otto-Schäfer Bibliothek in Schweinfurth oder Wettbewerbe wie der Lehrlingswettbewerb des BDBI oder der Wettbewerb des Centro del bel libro aus Ascona versuchen, die Abteilung an aktuelle Trends anzuschliessen und gleichzeitig lebendig zu halten.


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