Verein Deutsches Buchbindermuseum
Das deutsche Buchbindermuseum im Gutenberg-Museum wurde 1962 von dem eingetragenen Verein Buchbinder-Museum e.V. ins Leben gerufen. Als Museum im Museum hat sich der Verein zur Aufgabe gestellt,
...alles zu sammeln und zu erfassen, was mit der Buchbinderei zu tun hat und für die Zukunft von Bedeutung sein kann“.
Da diese Aufgabe noch immer aktuell geblieben ist, werden bis heute Werkzeuge und Geräte, Fachbücher und Fachzeitschriften, Fotos, Urkunden, Briefe, Firmenschilder und historisch interessante, gebundene Bücher gesammelt.
Den Grundstock der Sammlung stifteten Buchbinder aus ganz Deutschland. Aus ihren Werkstätten kamen die oft durch viele Generationen vererbten Objekte in dem Moment, als jene Kette durch Umstellungen oder Betriebsaufgaben durchbrochen wurde und die alten Werkzeuge und Gerätschaften nicht mehr gebraucht wurden.
Ein Museum im Museum
In der über Jahrzehnte stattfindenden Sammeltätigkeit, welche schon immer vom Gutenberg-Museum finanziell und organisatorisch unterstützt wurde, haben sich höchst interessante und aufschlussreiche Objekte zur Geschichte des Buchbinderhandwerks zusammen gefunden. Es ist bis jetzt das in Deutschland größte und umfangreichste Museum zur Buchbinderei geworden, das sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen kann.
Darüber hinaus verfügt das Deutsche Buchbinder-Museum über eine Schauwerkstatt in Hötzum bei Braunschweig. Die u.a. vom Gutenberg-Museum vollständig ausgerüstete Werkstatt wird von einem selbständigen Buchbindermeister geleitet.
Die von dem zuständigen Kurators des Gutenberg-Museums in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Vereins geführte und gestaltete Abteilung gliedert sich in vier Unterbereiche.
Nach einer Einführung in die Geschichte der Buchbinderei mit so einmaligen Stücken wie einer historischen Innungslade aus dem Jahre 1752, einer Zunftkanne aus dem Jahre 1655, einem Prozessionsstab des 18. Jahrhunderts, diversen alten Dokumenten und Briefen, Innungssiegeln und alter Fachliteratur, folgt die Darstellung einer alten Buchbinderwerkstatt, wie sie in dieser Ausstattung vom 16. bis zu frühen 20. Jahrhundert überall in Europa anzutreffen war. Besonders herauszuheben ist dabei die große Sammlung an Vergoldewerkzeugen sowie das Musterbuch von Carl Lehmann. Dieser Berliner Hofbuchbinder aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte für die Erwähnung seine Buchbinderarbeiten von Johann Wolfgang von Goethe zu einiger Bekanntheit. In der Einbandsammlung sind zudem drei seiner Einbände, darunter der von Goethe besprochene Einband, zu sehen.
Ein weiterer Abschnitt der Abteilung zeigt die vom Buchbinder neben Papier und Pappe verwendeten Materialien wie Leder, Pergament, Holz für die Buchdeckel, Metall für Schließen und Beschläge, sowie textile Hilfs- und Bezugsstoffe. Daneben steht eine Auswahl der verschiedenen buchbinderischen Techniken: ein Kapital zu stechen, Bünde an den Deckel zu schnüren oder Heftungsarten.
Der letzte Bereich der Abteilung widmet sich den historischen Bucheinbänden aus dem Zeitraum zwischen 1450 bis zur Gegenwart. Dabei steht der gehobene deutsche Gebrauchseinband im Vordergrund. Durch die Jahrhunderte hindurch sind dem Zeitgeschmack folgende typische Buchverzierungen zu sehen. Besonders hervorzuheben sind dabei ein Lederschnitteinband aus dem 15. Jahrhundert, ein Ott-Heinrich-Einband des 16. Jahrhunderts aus der Palatina, Einbandentwürfe von Paul Kersten, ein Einband von Otto Dorfner, sowie Einbände der beiden ehemaligen MDE (Meister der Einbandkunst) Präsidenten Sonnfriede Scholl und Gotthilf Kurz.
Sämtliche Einbände kommen dabei aus dem Besitz des Gutenberg-Museums. Ausgehend von den Inkunabeln und Frühdrucken mit Einbänden des 15. und 16. Jahrhunderts und einer weiteren kleinen Sammlung von Einbänden des 19. Jahrhunderts verfügt das Museum zunehmend über Arbeiten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Durch gezielte Ankäufe wird allmählich ein repräsentativer Querschnitt der deutschen Einbandkunst erreicht. Über die Internetseite der Bibliothek (www.gutenberg-bibliothek.de) sind Teile der Einbandsammlung sicht- und recherchierbar.
In der Abteilung sind immer wieder Gerätschaften und Maschinen dazwischen gestellt, die ganz anschaulich auf die Mechanisierung der Buchbinderei ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hinweisen. Ausgehend von einer Schlagpresse des späten vorletzten Jahrhunderts, bei der man aus Kosten- und Herstellungsgründen noch viele Teile aus Holz belassen hat, finden sich noch ein Hebel- und ein Radschneider, eine alte Fadenheftmaschine von 1897 und eine der ältesten noch funktionierenden Drahtheftmaschinen der Welt. Sie stammt aus den späten 70iger Jahren des 19. Jahrhunderts. Abgerundet wird dieser Teil durch drei verschiedenartige alte Prägepressen.
Der Besucher der Buchbinder-Abteilung wird im übrigen mit mehreren deutsch- und englischsprachigen Begleitblättern in die Thematik der Buchbinderei und ihrer Geschichte eingeführt. Darüber hinaus kann er an sogenannten Buch- und Berührstationen z.B. verschiedene Lederarten ertasten oder einen Abriss über die europäische Einbandkunde erhalten. Praktische Vorführungen der Handbuchbinderei vervollständigen das Programm. Schwerpunkte dieser Vorführungen sind die Handvergoldung und das Heften von Büchern. Im Rahmen unseres museumspädagogischen Programms sind solche Vorführungen oder Veranstaltungen jederzeit zu buchen. Die Kontaktadresse ist in der Webseite zu erfahren. (www.gutenberg-museum.de)
Kleinere Sonderausstellungen in den letzten Jahren über einzelne Buchbinder wie Otto Dorfner oder Rolf Steffen, Sammlungen wie aus der Otto-Schäfer Bibiliothek in Schweinfurth oder Wettbewerbe wie der Lehrlingswettbewerb des BDBI oder der Wettbewerb des Centro del bel libro aus Ascona versuchen, die Abteilung an aktuelle Trends anzuschliessen und gleichzeitig lebendig zu halten. (Informationen unter (www.gutenberg-museum.de)