Deutsches Buchbindermuseum e.V. im Gutenberg-Museum Mainz
 Sie sind hier:  Wissen  Informationsblätter  Handwerk 
 
 Handwerk | Ausbildung | Werkstatt | Handeinband | Vergoldung | Historische Einbände | Maschinen |
xxxbild2xxx

Das Buchbinderhandwerk

Das Gesicht der Bücher sind die Einbände, die in immer wechselnder Gestaltung unmittelbar Auskunft darüber geben können, in welcher Zeit ein Buch entstand. Zwischen den aufgeschlagenen Büchern demonstrieren charakteristische Beispiele, welche Materialien, Stilformen und Techniken in den verschiedenen Epochen üblich waren.
 



Buchbinder Ambrosius Handschrift Bamberg Staatsbibl Msc Patr

Die Klosterbuchbinderei

Der Buchbinder, der dem Buch die endgültige, seiner Benutzung entsprechende Form gibt und den Einband herstellt, ist als Tätigkeit so alt wie der Codex selber. Als selbständiges Gewerbe war die Buchbinderei hingegen erst im Spätmittelalter anzutreffen.
In der Zeit davor wurde sie, wie fast das gesamte Buch- und Schriftwesen, in den Klöstern betrieben. In sogenannten Klosterbuchbindereien arbeiteten die ersten hauptberuflichen Buchbindermönche. Sie betrieben ihr Handwerk auch für Außenstehende. Nur in grösseren Klöstern war die Menge der Manuskripte ausreichend, um zu einer Spezialisierung zu führen. Normalerweise war der Schreiber auch sein eigener Buchbinder, der sich sein Wissen und seine Fähigkeiten hierzu nebenbei erwerben musste.

 



Buchbinder, Anfang 17. Jh.

Der bürgerliche Buchbinder

Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts lassen sich die ersten bürgerlichen Buchbinder nachweisen. Dabei konnten sie sich nur in den grossen Universitäts- und Handelsstädten halten. Die sich dort entwickelnde Handschriftenherstellung brachte aber in der Regel zu wenig Arbeitsmöglichkeiten mit sich, so dass der fahrende Buchbinder in dieser Zeit zu einer festen Einrichtung im Handwerk wurde.

 



Die Erfindung der Druckkunst und ihre Wirkung auf die Buchbinderei

Die Erfindung der Druckkunst und die dadurch bedingte größere Buchproduktion veranlasste ein sprunghaftes Ansteigen der Buchbinderei. In den 70er und 80er Jahren des 15. Jahrhunderts gab es daher die sogenannten Studentenbuchbinder, die das Handwerk im Nebenerwerb ausübten. Buchbinden war noch eine freie Tätigkeit, die jeder betreiben durfte.
Sie gewann erst im Lauf des 16. Jahrhunderts einen fest umrissenen Platz innerhalb des gesamten Handwerks.

 



Innungslade (zu sehen im Buchbindermuseum Mainz)

Die Buchbinderzünfte

Ehe sich das Buchwesen im größeren Masstab zu entwickeln begann, war der Zusammenschluss zu Zünften in den Wirtschaftsbereichen des Spätmittelalters schon im wesentlichen zum Abschluss gelangt.
Daher dauerte der Prozess seiner Eingliederung in die Zünfte etwas länger, zumal die Grenzen der einzelnen Buchgewerbe nicht scharf genug getrennt werden konnten. Solange die Arbeitsteilung im Buchgewerbe aber nicht feststand, so lange weigerten sich die Städte, das noch freie und ungeschützte Gewerbe in ein gebundenes und bevorrechtigtes umzuwandeln. Die zu erwartenden und tatsächlich auch stattgefundenen Streitigkeiten der Zünfte bei der Regelung schreckten den Rat oft ab.
In diesen Auseinandersetzungen geriet der Buchbinder zeitweise in Gefahr, zum Lohnabhängigen des Verlegers oder Druckers zu werden, die fertig gebundene Bücher auf den Markt bringen wollten.
Der allzu grosse Kapitalaufwand hierfür erhielt jedoch die Spaltung und damit die Selbständigkeit der verschiedenen Gewerbe. Die Verleger und Drucker akzeptierten, ihre Tätigkeit mit der Herstellung der Druckbögen abzuschließen und diese ungeleimt, ungefalzt und ungeheftet zum Verkauf anzubieten. Da für den Kunden das Buch in diesem Zustand unbenutzbar, wurde der Buchbinder zum reinen Kundenarbeiter.



Buchbindersiegel aus München, 19. Jh.

Waren die Buchbinder vorher gegebenenfalls in andere Gilden eingegliedert; so z.B. in Paris und London (1401 und 1403) zusammen mit den Händlern, Schreibern und Illuminatoren, so vollzog sich die Entwicklung des Buchbinders zu einem zünftigen Beruf im 16. Jahrhundert. Oft genug ging dabei die Initiative von den Handwerkern aus. Diese wollten ihre gewerbliche Selbstverwaltung erhalten, gegen wirtschaftliche Konkurrenz vorgehen, und hatten Sorge, als unzünftiges Handwerk keine Gesellen zu erhalten.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts werden die Buchbinderzünfte im deutschsprachigen Raum häufiger - im Laufe des 17. Jahrhunderts sind fast alle Buchbinder zünftig eingebunden.

 



Bucbinderei Anfang 19. Jh.

Das Arbeitsleben in einer Buchbinderei

Die Betriebe waren klein - ein Meister, ein bis zwei Gesellen und ein Lehrling - und bescheiden ausgerüstet. Die benötigten Gerätschaften waren bis auf die Vergoldewerkzeuge nicht sehr kapitalintensiv. Jene konnten sich nur wenige in ausreichender Anzahl leisten - die lange Lebensdauer der Werkzeuge liess die Bestände in den Werkstätten im Lauf der Zeit aber immer weiter anwachsen. Insgesamt brachte die Buchbinderei nur ein bescheidenes Einkommen mit sich. So waren viele Buchbinder auf Nebenbeschäftigungen und Nebeneinnahmen als Gastwirt, Buchhändler oder Buntpapierer angewiesen. Ebenso entwickelten sie sich zum Bearbeiter aller von ihnen verwendeten Materialien (Pappe, Leder etc.), um ihre Produktpalette bzw. ihr Angebot als Futteralmacher o.ä. zu erweitern.

Die Preise wurden über Zunftbestimmungen und städtische Massnahmen wie Qualitätsbestimmungen und Taxen für bestimmte Arbeiten und Erzeugnisse geregelt. Weitere Eingriffe bestanden in Zensurvorschriften. Danach war es z.B. verboten, ein sogenanntes unkatholisches Buch oder liederliche Sachen zu binden.



Die Arbeitszeit eines Buchbinders war im Sommer von 4 bis 20 Uhr und im Winter von 5 bis 21 Uhr festgelegt. Davon durfte man aber auf der anderen Seite die vielen kirchlichen Feiertage, Badgänge, blaue Montage und das Geleit abziehen. Streng verboten war auch die Sonn- und Feiertagsarbeit, ebenso wie die Arbeit nach Feierabend.

Dampfbuchbinderei in New York, Anfang 19. Jh.

hier kann noch ein bild rein
  News   |  Impressum   |  Suchen   |  E-Mail   |
Deutsches Buchbindermuseum e.V. | Liebfrauenplatz 5 - 55116 Mainz | Tel. 06131-122641