Deutsches Buchbindermuseum e.V. im Gutenberg-Museum Mainz
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Werkstatt im Gutenberg-Museum

Die alte Buchbinderwerkstatt

Die alte Buchbinderwerkstatt zeigt den Arbeitsplatz und die Ausstattung einer Handbuchbinderei, wie sie in ihren Grundzügen vom 16. bis nach Mitte des 20. Jahrhunderts (hier allerdings meist unter Zuhilfenahme einiger Maschinen, wie sie u.a. im Ausstellungsraum zu sehen sind) bestanden hat.
Die Ausstattung einer einfachen Buchbinderwerkstatt war nicht besonders umfangreich und teuer. Für seine Handarbeit benötigte der Buchbinder verschiedene hölzerne Werkzeuge und Hilfsmittel, die von einem geschickten Schreiner ohne grosse Mühe anzufertigen waren.
Einzig die Vergoldewerkzeuge aus Messing besaßen einen höheren Wert. Da sich diese Werkzeuge aber kaum abnutzten, konnten sich im Verlauf von Generationen größere Stempelsammlungen anhäufen.



Schlagstein und Planierhammer

Schlagblock und Planierhammer

Die vom Buchdrucker gelieferten, bedruckten Bögen wurden vom Buchbinder geleimt, getrocknet und anschliessend geschlagen.
Das geschah, indem man mehrere Bogen übereinander auf den Schlagstein legte und mit einem bis zu 9 Kilogramm schweren Hammer beidseitig und flächendeckend schlug, um sie zu glätten und zu verdichten.
Es war eine sehr anstrengende und zeitaufwendige Arbeit.

 

 



Heftlade

Die Heftlade

Die gefalzten Bögen wurden - nach dem Vorrichten - auf der Heftlade geheftet. In dieser hölzernen Hilfsapparatur mit verstellbarem Oberbalken wurde eine Kordel entsprechend der Heftbundeinteilung gespannt und die Lagen mit Nadel und Zwirn geheftet.



Heissleimtopf, Kleisterkrug und Kleistertrog

Kleinere und größere Klebearbeiten (z.B. Vorkleben von Einlagen, Hinterkleben von Buchrücken, Kaschieren von Karten etc.) gehörten zu den alltäglichen Aufgaben in einer Buchbinderei. Es standen dafür zwei Klebstoffe zur Verfügung; zum einen der Weizenkleister, zum anderen der Heissleim, auch Knochen- oder Hautleim genannt. Er musste zum Verarbeiten warm gehalten werden.

 

Kleistertrog (l.), Heißleimtopf (m.) & Leimtisch (r.)


Beschneidehobel

Der Beschneidhobel

Das Beschneiden der Bücher am Vorderschnitt, Kopf und Fuss war eine zeitaufwendige und kraftraubende Arbeit, für die der Buchbinder den Beschneidhobel mit der dazugehörigen Presse benutzte.
Zum Beschneiden wurde der Buchblock in die Beschneidpresse gesetzt. Danach setzte man den Beschneidhobel an und bewegte ihn - der Führungschiene an der Presse entlang - hin und her. Eine Hand führte dabei das Werkzeug, während die andere die Klinge des Hobels langsam zudrehte und so Zug um Zug durch den Buchblock schnitt.



Kleine Handpresse, Klotz- und Stockpresse

Die kleineren Pressen (Hand- und Klotzpresse) dienten dazu, den Buchblock für das Kapitalstechen, zum Abpressen des Falzes, die Schnittverzierung oder zum Einledern des Rückens zu fixieren. Die Nägel an der Seite der kleinen Handpresse benötigte man, um die Bünde mit einer Kordel beim Einledern des Buches abzubinden.
Neben diesen Pressen gehörte die Stockpresse, eine seit Jahrhunderten gebräuchliche, ursprünglich hölzerne Standpresse mit herabzudrehendem Kopfteil, zur unverzichtbaren Ausstattung einer Buchbinderei. Es gab sie in vielen verschiedenen Ausführungen, die von der kleinen Handwerks-Tischpresse bis zu den großen viersäuligen Packpressen für den industriellen Bedarf reichten.
In den Stockpressen konnte das ganze Buch bzw. ein ganzer Buchstapel auf einmal eingepresst werden.

Kleine Handpresse (l.), Klotzpresse (r.)


Vergolderschrank

Vergoldeschränke mit Vergoldewerkzeugen

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Einbandverzierung, die vom Buchbinder in aufwendiger Handarbeit hergestellt wurde, einen besonderen Stellenwert. Die aufwendige und mit Gold ausgeführte Verzierung der Einbanddeckel und des Rückens blieb besonderen und teuer gebundenen Büchern vorbehalten. Denn die Herstellung einer solchen Dekoration beanspruchte viel Zeit und konnte die eigentlichen Bindekosten leicht mehr als verdoppeln.
Eine sauber ausgeführte und ansprechende Handvergoldung galt und gilt daher unter Buchbindern als hohe Kunst.
Den teuren, aus Messing gravierten Werkzeugen galt daher eine hohe Wertschätzung. Sie wurden in eigenen Schränken aufbewahrt.


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