Die Entwicklung und Einführung geeigneter Maschinen in der Buchbinderei ist Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Notwendigkeit heraus entstanden, massenhaft produzieren zu müssen. Die ersten Maschinen wurden noch aus England importiert. Ab Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts entwickelte sich dann aber auch in Deutschland ein konkurrenzfähiger Spezialmaschinenbau mit so bekannten Namen wie Karl Krause, Christian Mansfeld und August Fomm. Zum Antrieb dieser Maschinen nutzen die Grossbetriebe ab 1856 die Dampfkraft. Zum ersten Male bei der Buchbinderei Probst in Berlin. Ab 1894 wurden die ersten Industriebuchbindereien elektrifiziert.
Falzmaschine
Die Ungenauigkeit der ersten Falzmaschinen, die in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts auf den Markt kamen, konnten das Falzen per Hand mit dem Falzbein bis Ende des Jahrhunderts noch nicht ersetzen. Sie waren zu ungenau und zu teuer. Die frühesten Falzmaschinen fanden daher nur bei gleichartigen Massenarbeiten wie z.B. Zeitungen, bei denen es nicht auf die grösste Genauigkeit ankam, Verwendung.
Ab 1890 wurden in den Grossbuchbindereien die ersten Falzmaschinen, die befriedigende Ergebnisse lieferten, aufgestellt. Diese Maschinen, bei denen die Bogen von Hand anzulegen waren, schafften ca. 20.000 Bogen pro Tag gegenüber der Handfalzung von 4.000 Bogen pro Tag.
1892 wurde der automatische Bogenanleger erfunden; ein Jahr später war die erste vollautomatische Falzmaschine von Gustav Kleim auf dem Markt. Das Gewerbe bevorzugte aber die ab 1895 erhältliche halbautomatische Falzmaschine der Firma Brehmer.
Schneidemaschine
Die Entwicklung von Schneidemaschinen für die Buchbinderei führte erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts zu greifbaren Ergebnissen. Nach verschiedenen Vorgängermodellen – noch teilweise aus Holz – war die ab 1858 von Karl Krause in Leipzig angebotene Papierschneidemaschine die erste, welche in nennenswerten Stückzahlen hergestellt und verkauft wurde. Im selben Jahr wurde von der Maschinenfabrik August Fomm eine Hebelschneidemaschine mit Doppelhebel (je ein Hebel zum Pressen bzw. zum Schneiden) gebaut.
Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt war die 1877 von Karl Krause auf den Markt gebrachte Buchblockbeschneidemaschine. In dieser Maschine konnte das auf einem drehbaren Tisch befestigte Buch nacheinander an allen drei Seiten durch Drehen des Tisches beschnitten werden, ohne herausgenommen zu werden.
Prägepresse
Um die Handvergoldung durch das Prägen mit Prägeplatten zu ersetzen, wurden die ersten, allerdings wenig praxistauglichen Prägepressen in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelt und angeboten. Aber erst mit der ab 1857 herstellten Kniehebelpresse für Blinddruck und Vergoldung der Firma Karl Krause in Leipzig kam eine als zuverlässig geltende Presse auf den Markt, die sich im Lauf der Zeit recht weit verbreitete. Sie wurde mit glühenden Bolzen, Gas oder Dampf, ab 1896 auch elektrisch beheizt.
Immer aufwendigere Prägungen wie z.B. den Anfang der 70er Jahre auf-kommenden Schwarzdruck (Verzierung von Kalikoeinbänden mit schwarzer Buchdruckerfarbe, um kunsthandwerkliche Lederschnitt- und Punztechnik nachzuahmen ) und den einige Jahre später erscheinenden Farb- und Bronzedruck auf Buchdecken führten zu immer größeren Prägepressen mit allerlei Zubehör wie z.B. komplette Farbwerke mit Farbkasten und Verreibewalzen.
Draht- und Fadenheftmaschine
Das erste Patent einer brauchbaren Buchheftmaschine wurde 1872 den nach Amerika ausgewanderten Brüdern Brehmer für eine Drahtheftmaschine erteilt. Die 3 Jahre später fertig entwickelte Maschine wurde ab 1878 nach Deutschland eingeführt. Damit war zum ersten Mal das langwierige Heften mit der Hand durch eine Maschine ersetzt worden. Als grösster Nachteil dieser Heftung erwies sich das Rosten der Heftklammern.
Neben den grossen Drahtheftmaschinen wurden für den handwerklichen Bedarf kleinere Handheftapparate, sogenannte Klopfer, angeboten.
Fadenheftmaschinen, welche ab 1884 wiederum von den Gebrüdern Brehmer auf den Markt gebracht wurden, vervollständigten die ma-schinelle Heftung. Dabei war die Technik dieser Maschinen soweit ausgereift, dass an ihrer Technik kaum mehr etwas geändert werden musste. Nach der Jahrhundertwende verdrängte die maschinelle Fadenheftung die Drahtheftung nach und nach fast vollständig aus der Buchproduktion.
Pressen und Pappschere
Die Stockpresse war eine in der Buchbinderei schon seit Jahrhunderten gebräuchliche, ursprünglich hölzerne Standpresse mit herabzudrehendem Kopfteil. Sie war zum Einpressen der Bücher unverzichtbar. Es gab sie in vielen verschiedenen Ausführungen, die von der kleinen Handwerks-Tischpresse bis zu den grossen viersäuligen Packpressen reichten.
Während man zuvor Pappe etc. zu ritzen hatte, wurde diese Arbeit ab Mitte der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts durch die Pappschere ersetzt. Diese gehörte jetzt zur Grundausstattung einer jeden Buchbinderei. Im Jahre 1859 offerierte die Maschinenfabrik Karl Krause eine Pappschere, welche schon alle wichtigen Merkmale der bis auf den heutigen Tag gebauten Pappscheren aufwies.